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Sechs Fehler beim Denken

Newsmeldung vom 01.02.2009, Kategorie: Buch

Thomas Kida, Managementprofessor an der University of Massachusetts Amherst, beklagt, dass der Mensch trotz all seiner Kreativität und innovativen Schaffenskraft grundlegende Fehler beim Denken macht. Sechs solche Fehler stellt er besonders heraus:

  • Geschichten statt Statistiken: Einer gut erzählten Geschichte, die noch so unrepräsentativ sein mag, schenken wir weitaus mehr Glauben als den rohen Statistiken. Dieses Denken widerspricht der Wahrscheinlichkeitsrechnen. Nicht das, was wahrscheinlich ist, nehmen wir als Grundlage unserer Entscheidungen, sondern greifen einen Beispielfall heraus, auch wenn er die Grundgesamtheit in keiner Form widerspiegelt.
  • Selbstbestätigung: Oft (manche sagen stets) entscheiden wir aus dem Bauch heraus und rationalisieren unsere Entscheidung erst nachträglich. Deshalb suchen wir förmlich nach Fakten, die unsere bisherige Sichtweise bestätigen. Diese selektive Wahrnehmung blendet Fakten aus, die gegen unsere bisherige Überzeugung sprechen.
  • Missachtung des Zufalls: Wir glauben, dass alles einen Grund hat, auch wenn es keinen gibt. Häufig spielen Zufälle eine große Rolle bei kleinen und großen Entwicklungen, die wir nicht vorhersehen konnten. Trotzdem suchen wir nach Gründen und werden sie in der Regel auch finden, ob sie richtig sind oder nicht.
  • Falsche Wahrnehmung: Selektive Wahrnehmung sorgt dafür, dass wir nur einen Ausschnitt aus der Wirklichkeit wirklich erfassen. Doch das Erfasste muss anschließend noch vor dem Kontext unseres Wissens interpretiert werden. Hierbei sind zahlreiche Bewertungsfehler möglich. Wir haben also häufig ein Bild von der Welt, das mit der Welt nicht übereinstimmt.
  • Übervereinfachung: Die komplexe Welt zu verstehen ist nicht einfach. Deshalb bedienen wir uns vereinfachender Modelle, die uns helfen, bestimmte Entwicklungen zu verstehen. Oftmals sind diese Modelle sehr einfach. Je einfacher ein Modell jedoch ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu beiträgt, einen Sachverhalt tatsächlich zu erklären. Mit unserer Tendenz der übermäßigen Vereinfachung verlieren wir den Kontakt zur Realität.
  • Schlechtes Erinnerungsvermögen: Erfahrungen und anderweitig erworbene Erkenntnisse können wir zum einen vergessen. Dazu neigen wir recht gern. Schlimmer noch ist es, wenn sich unserer Erinnerungen im Laufe der Zeit verändern. Dann kommt es zu neuen Interpretationen, die nicht nur für die Vergangenheit relevant sind, sondern auch die Bewertung aktueller und künftiger Sachverhalte betreffen.

Sicherlich gibt es noch zahlreiche weitere Fehlerquellen in unserem Denken. Je stärker wir uns mit dem Nachdenken über das Denken, der sogenannten Metakognition, beschäftigen, desto größer ist die Chance, solchen Denkfallen zu entgehen.

Das Buch von Kida ist bei der Oxford University Press erschienen und hat etwas mehr als 160 Seiten.

(Victor Tiberius)

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