Hecker (2009): Determinanten von Offshore-Outsourcing-Aktivitäten im deutschen Mittelstand
Welche Effizienzvorteile veranlassen größere mittelständische Unternehmen Teile ihrer Wertschöpfungskette an ausländische Produzenten oder Dienstleister auszulagern? Und welche Transaktionskostenargumente sprechen dagegen?
Diesen Fragen geht Dr. Achim Hecker vom Lehrstuhl für Personal- und Organisationsökonomie an der Universität Freiburg in seinem aktuellen zfbf-Beitrag auf der Basis einer Studie über 584 Unternehmen nach.
Für das Offshore-Outsorcing sprechen Kostenvorteile, Möglichkeiten zur Kostenflexibilisierung, der Zugang zu überlegenen Kompetenzen und die bessere Erschließbarkeit ausländischer Märkte.
Gegen das Offshore-Outsourcing sprechen die Abhängigkeit vom Zulieferer, der höhere Koordinationsbedarf, die hohe Umweltunsicherheit, der eventuelle Verlust eigener Kompetenzen, die strategische Bedeutung der Leistung sowie zu geringe Erfahrung mit ausländischen Anbietern.
Diese aus der Literatur entnommenen Thesen hat Dr. Hecker empirisch überprüft. Von den Pro-Argumenten konnten nur die Kostenvorteile und die Nutzung des Offshoring als Internationalisierungsstrategie empirisch gestützt werden. Die übrigen Argumente spielen in der Praxis eine geringere Rolle.
Unter den Contra-Argumenten nehmen die drohende Abhängigkeit von Zulieferern und die strategische Bedeutung der Leistung in der Unternehmenspraxis einen wichtigen Platz ein. Die Erfahrung mit ausländischen Partnern steigert die Wahrscheinlichkeit des Outsourcing dagegen signifikant. Die übrigen Aspekte nehmen keinen wichtigen Stellenwert ein.
Quellennachweis: Hecker (2009): Determinanten von Offshore-Outsourcing-Aktivitäten im deutschen Mittelstand, in: zfbf Schmalenbachs Zeitschrift für betriebswirtschaftliche Forschung, 61. Jg., Sept., S. 628-653.
Wird die Outsouringstrategie auf den Extrempunkt hin gesteigert, dass keine Wertschöpfungsaktivitäten mit Ausnahme der marktorientierten Unternehmens- bzw. Netzwerksteuerung im Unternehmen verbleiben, liegt eine sogenannte Schaltbrettunternehmung vor. Tiberius/Reckenfelderbäumer (2004) analysieren für diesen Sonderfall ebenfalls Gefahren, Strategien zu deren Vermeidung sowie Vorzüge des Outsorcing und kommen dabei - allerdings auf einer theoretischen Ebene - zu vergleichbaren Ergebnissen. Insbesondere kommen die Autoren ähnlich wie Hecker zu dem Schluss, dass der Kernkompetenzverlust nicht zwingend ist.