Walter/Walter (2009): Personenbezogene Determinanten von Unternehmensgründungen
Ein Schwerpunkt der Entrepreneurship-Forschung fokussiert auf die Frage, welche Personen Unternehmen gründen. Im Vordergrund stehen dabei die Unternehmereigenschaften. Dr. Sascha G. Walter und Prof. Dr. Achim Walter, beide Universität Kiel, Lehrstuhl für Gründungs- und Innovationsmanagement, haben 99 empirische Studien gesichtet und 43 Persönlichkeitsdeterminanten identifiziert, die mit der Unternehmerperönlichkeit in Zusammenhang gebracht werden. Von diesen Determinanten erweisen sich 33 als konsistent. Am interessantesten sind die Befunde der dispositiven Perspektive:
- Unabhängigkeitsstreben (need for independence)
- hohe interne Kontrollüberzeugung (internal locus of control)
- Leistungsmotivation (need for achievement)
- Typ-A-Verhalten (Type-A-behavior)
- Risikoneigung (risk taking propensity)
- Unklarheitstoleranz (tolerance for ambiguity)
- kreative Veranlagung (creative tendency)
- proaktive Persönlichkeit (proactive personality)
- Handlungsneigung (propensity to act)
- Extraversion
- Verträglichkeit (agreeableness)
Ansonsten liefert die Übersicht Befunde aus kognitiver, verhaltensorientierter, ökonomischer und netzwerkorientierter Perspektive.
Berechtigt ist die Kritik der Autoren, dass bei den Determinanten nicht immer trennscharf zwischen Gründungsintention, -entscheidung und -person, aber auch zwischen Kontextvariablen (die generell zu wenig betrachtet werden) unterschieden wird. Positiv hervorzuheben ist auch die Forderung, stärker zwischen Existenz- und Unternehmensgründung zu unterscheiden. Es ist davon auszugehen, dass zwischen einer Person, die sich selbstständig macht, und einer angestellten Führungskraft eines Konzerns, die den Auftrag erhält, eine Tochtergesellschaft zu gründen, erhebliche Unterschiede bestehen.
Der Beitrag ist in der zfbf, 61. Jg, Februar, S. 57-89, erschienen.
(Victor Tiberius)