Buchempfehlung: Yuval Noah Harari: Homo Deus

Ich bin mit Buchempfehlungen in der Regel recht sparsam, aber heute möchte ich doch einmal eine Empfehlung aussprechen: „Homo Deus“ von Yuval Noah Harari, einem israelischen Geschichtsprofessor.

Er hatte zuvor das Buch „Homo Sapiens“ geschrieben, in dem er die gesamte Menschheitsgeschichte in einem nicht allzu dicken Buch zusammenfassen wollte – ein recht ambitioniertes Vorhaben. Ich habe es nicht gelesen, daher kann ich dazu nichts sagen.

Er ist dann aber den logischen nächsten und für mich interessanteren Schritt gegangen und hat sich mit der Zukunft des Menschen befasst. Er greift die transhumanistische Vorstellung auf, dass sich der Mensch bio- und informationstechnologisch selbst weiterentwickelt und sich insbesondere Unsterblichkeit, dauerhaftes Wohlbefinden und „Superkräfte“ verleihen möchte. Wir wollen also Gottmenschen werden (daher der Buchtitel). Die aktuellen Entwicklungen etwa im Silicon Valley sprechen klar dafür, dass diese Vorhaben völlig ernst gemeint sind und parallel auf verschiedenen Wegen beschritten werden.

Das Buch ist inhaltlich sehr reichhaltig und berührt eine Vielzahl von Fragestellungen, manchmal mit tendenziell eher exkursorischem Charakter. Obwohl es sich um ein zukunftsorientiertes Buch handeln soll, sind letzten Endes doch gut 80% historisch angelegt, was sicherlich an der akademischen Ausbildung des Autors liegt. Doch da die Zukunft nur aus der Vergangenheit entstehen kann, sind die Kenntnis von Geschichte notwendig und die Darstellung nützlich. Harari gelingt es, aus einer sehr übergeordneten Vogelperspektive die Grundlinien der bisherigen Entwicklung nachzuzeichnen, um diese am Anfang und Ende des Buches zu extrapolieren. Sein Schwerpunkt liegt dabei vor allem auf der Ideengeschichte (die natürlich mit technologischer Entwicklung und politischen Ereignissen verbunden ist).

Alles ist gut verständlich und durch zahlreiche Beispiele und Anekdoten illustriert. Der Autor spricht Klartext (etwa wenn es darum geht, was er von Religionen hält) und zeigt sowohl die Möglichkeiten als auch Unausweichlichkeiten und Gefahren auf. Niemand mit einer restlichen Lebenserwartung von mindestens 30 Jahren sollte das ignorieren.

Wer sich einmal recht radikal vom Hier und Jetzt intellektuell loslösen möchte und in den Genuss eines anthropologischen Rundumschlags mit einem zugleich lockenden als auch warnenden transhumanistischen Ausblick kommen möchte, findet hier in einem einzigen Buch einen wunderbaren Überblick.

Neue Publikation: Seasteads

 

Der eine Verlag war recht langsam, der andere sehr schnell. Daher erschien nun kurz nach meinem in Co-Herausgeberschaft mit Christoph Rasche erschienenen Fintech-Buch ein weiteres Buch zum Thema Seasteads. Das Thema ist hierzulande nicht sonderlich bekannt. Es handelt sich um das Vorhaben, künstliche Inseln zu schaffen, auf denen ein Leben und Arbeiten nach völlig neuen Regeln (oder möglicherweise gar keinen?) möglich sein soll.

Prinzipiell alle gesellschaftlichen Normen und Strukturen nehmen wir als gegeben hin. Sei es die Vorstellung vom prinzipiell öffentlich-rechtlichen Charakter der Ehe, die Tatsache, dass es in einem Land nur eine Währung und eine Notenbank geben darf (ein Monopol, das sonst verteufelt wird), die Messung unseres Wohlstands in Form des BIP zu erfolgen hat oder oder oder. All dies sind aber nur soziale Konstruktionen, die sich über die Zeit eingebürgert und verfestigt haben, die aber Vor- und Nachteile aufweisen und nicht zwangsläufig in Stein gemeißelt sind.

Auf Seasteads wäre es möglich, alternative Gesellschaftsentwürfe zu realisieren und mit ihnen zu experimentieren. Für jemanden wie mich, der sich seit Jahren mit alternativen Zukünften beschäftigt, ist dies ein äußerst attraktives Thema, da Alternativszenarios den Sprung vom Gedankenexperiment zur Realität machen können.

An unseren aktuellen Systemen gibt es nicht wenig zu kritisieren. Exorbitante Staatsverschuldungen, eine immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich, Umweltverschmutzung, … die Liste ist lang. Seasteads wären Orte, wo wir versuchen können, neue Lösungen zu finden. Nicht jede Lösung wird funktionieren. Aber wir können so Erfahrungen sammeln. Die Flucht auf das Meer (andere wollen auf den Mars flüchten) betrachten Seastead-Initiatoren als sinnvolle Strategie, da die Pfadabhängigkeiten in bestehenden Nationalstaaten als zu groß betrachtet werden. Alternative Ansätze sind Charter Cities, Free Private Cities und Freihandelszonen (wie es sie beispielsweise in den VAE zahlreich gibt).

Im vorliegenden Buch sind die Autoren mit mir der Frage nachgegangen, was die (nicht-technischen) Voraussetzungen für das Gelingen von Seasteads sind. Alternative Ausgestaltungsmöglichkeiten sozialer Konstrukte werden diskutiert.

Mehr über die Themen und Autoren hier: Seasteads-Buch.

Glück oder Wachstum?

Mehr und mehr Volkswirte zweifeln an, dass das Wirtschaftswachstum, also die positive Veränderung des Bruttoinlandsprodukts, das Maß aller Dinge ist, wenn es um die Messung des Erfolgs von Staaten geht. Letzten Endes geht es um das Glücksempfinden der Bewohner. Fortschritt hat unser Leben verbessert – mit zahlreichen Nebeneffekten -, das ist keine Frage. Aber wir wissen inzwischen, dass es eine Grenze gibt, ab der trotz volkswirtschaftlichen Wachstums kein zusätzliches Glücksempfinden in der Bevölkerung gemessen werden kann. Daher wird ein ergänzendes Maß, etwa ein Gross Happiness Index, in den natürlich unterschiedliche Größen einfließen können und gewichtet werden müssen (eine normative Frage), vermehrt diskutiert.

In der Politik kommt das erst nach und nach an. Ein interessantes Ausnahmebeispiel: Die Vereinigten Arabischen Emirate. Hier will man bis 2021 von Platz 28 auf dem Happiness-Ranking der Länder der Welt auf Platz 5 aufsteigen. Dies ist keine politische Sonntagsrede, sondern ein Ziel, das mit einer klaren Strategie unterlegt ist. Der Maßnahmenplan wird von einer Ministerin für Happiness und 60 kommunalen Verantwortlichen, die spezielle Happiness- und Positivity-Programme durchlaufen, koordiniert. Unternehmen und ihre Mitarbeiter sind hier ebenfalls eingebunden.