DHV fordert mehr Mut zur Reform

Der Deutsche Hochschulverband (DHV) mahnt in einem Forderungskatalog zur Weiterentwicklung des Wissenschaftssystems mehr Mut zum Diskurs und zur Veränderung an. Es gelte u.a., den Einsatz von Metriken in der Leistungsbewertung zurückzudrängen. „In der Wissenschaft muss wieder mehr inhaltlich beurteilt und weniger gezählt werden“, erklärte DHV-Präsident Professor Bernhard Kempen. Die Voraussetzung für Forschung durch eingeworbene Drittmittel dürfe nicht mit der Forschung selbst verwechselt werden. Ebenso wenig könne die gegenwärtige Fixierung auf Publikationszahlen und Zitationsindizes eine inhaltliche Bewertung von Veröffentlichungen ersetzen.

Eine kluge Wissenschaftspolitik dürfe sich nicht fortlaufend von Nützlichkeitserwägungen leiten lassen und müsse die Balance zwischen der Förderung von angewandter Forschung und Grundlagenforschung wahren. „Anstatt die Wissenschaft in eine permanente Antragshektik zu versetzen, sollte die Politik vermehrt kreative Denk- und Arbeitsprozesse ermöglichen. Der Mut zum Risiko, abseits des Mainstreams zu forschen, muss sich lohnen“, betonte der DHV-Präsident. „Hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen durch den Ausbau der Einzelförderung Mittel erhalten, um Forschungen ohne inhaltliche Vorgaben vorantreiben zu können.“

Innerhalb aller Bildungssektoren müsse es generell wieder um die Rückgewinnung und Gewährleistung höchster Leistungsstandards gehen. „Die Notenvergabe in Schulen und Hochschulen muss wieder das komplette Bewertungsspektrum abdecken. Das Abitur muss durch Vereinheitlichungen und bessere Absprachen unter den Ländern gestärkt und wieder zu einem aussagekräftigen Nachweis der tatsächlichen Hochschulzugangsbefähigung gemacht werden“, so Kempen weiter. Um das deutsche Wissenschaftssystem leistungsstark zu erhalten, müssten Hochschulpolitik und Universitäten den Mut finden, die Probleme offen und partnerschaftlich anzusprechen. „Alle Fachleute wissen letztlich, wo es in der Wissenschaft schlecht läuft. Aber es fehlt am Veränderungswillen und der Zuversicht, schlechte Regeln ändern zu können“, betonte Kempen.

(Quelle: DHV-Newsletter 4/2019)

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