Dietrich von der Oelsnitz/Victor Tiberius (2009): Lernstrategien und Lernpfade in Unternehmensnetzwerken

Zusammenfassung

In der Literatur zum interorganisationalen Lernen lassen sich zwei Schwachstellen identifizieren: Zum einen geht man implizit oder explizit davon aus, dass es nur eine einzige angemessene Lernstrategie gibt. Diese oszilliert zwischen den Extrempolen des rein kooperativen und des rein kompetitiven Lernens. Wir schlagen stattdessen eine dreigliedrige Lernstrategie-Typologie vor, die dann auch eine Mischform abbilden kann. Zum anderen wird in der Regel unterstellt, dass eine einmal festgelegte Lernstrategie während der Kooperation dauerhaft beibehalten wird. Der Beitrag zeigt dagegen auf, weshalb es ggf. erforderlich ist, eine situative Anpassung der interorganisationalen Lernstrategie vorzunehmen und präzisiert sodann die Grundrichtungen eines möglichen Lernstrategiewechsels.

Abstract

In the inter-organizational learning literature two flaws can be identified: on the one hand it is assumed, explicitly or implicitly, that there is only one adequate learning strategy oscillating between the extremes of purely cooperative and purely competitive learning. Instead, we propose a typology of three basic learning strategies, the combination of which also allows to represent hybrid forms of learning. On the other hand it is asserted that learning strategies will be retained once they are established. Our paper explains why it is required to adjust the inter-organizational learning strategy to the current situation and specifies basic options for a reorientation of the learning strategy.

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
2. Lernen und Netzwerke
3. Zur Rolle von Kooperation und Konkurrenz in Netzwerken
4. Intentionalität und Emergenz von Lernstrategien
5. Drei Idealtypen interorganisationaler Lernstrategien
5.1 Operationalisierungsvorschlag
5.2 Unilaterales Lernen (Konkurrenz)
5.3 Äquilaterales Lernen (Coopetition)
5.4 Relationales Lernen (Kooperation)
6. Der dynamische Fit der Lernstrategien
6.1 Überblick
6.2 Richtungen des Lernstrategiewechsels
6.2.1 Adduktiver Lernstrategiewechsel
6.2.2 Abduktiver Lernstrategiewechsel
7 Resümee und offene Fragen

Inhalt

Die Literatur geht in weiten Teilen davon aus, dass in Unternehmensnetzwerken mit rein kompetitivem und rein kooperativem Lernen nur zwei Lernstrategien existieren. Wir gehen hingegen auch von der Existenz von Hybridformenaus. Weiterhin wird in der Regel unterstellt, eine einmal festgelegte Lernstrategie würde für alle Zeiten beibehaltenbleiben. Wir modellieren, dass es sinnvoll und erforderlich ist, zwischen den drei Lernstrategietypen auch situativ zu wechseln.

Im Beitrag diskutieren wir kurz die Bedeutung von einerseits Lernen und andererseits Kooperation und Konkurrenz in Netzwerken, um die beiden Stränge zusammenzuführen. Wir gehen auf die Problematik ein, ob Lernstrategien eherintentional oder eher emergent sind. Diesbezüglich legen wir uns auf einen „restriktiven Indeterminismus“ fest, der die gleichzeitige Existenz von Zufall, (inter-)organisationalen Handlungsrestriktionen und Möglichkeiten der voluntaristischen Beeinflussbarkeit von Handlungs- und damit auch von Lernpfaden anerkennt.

Auf dieser Grundlage entwickeln wir auf dem Kontinuum zwischen Konkurrenz und Kooperation eine Typologie vonLernstrategien, die wir als unilateraläquilateral und relational bezeichnen. Die Operationalisierung dieser Strategien erfolgt anhand der Intentionalität, Rezeptivität, Transparenz und Netzwerkreferenz des Lernens. Während die ersten drei Kriterien bereits in der Literatur besprochen wurden, ergänzen wir mit der Netzwerkreferenz eine wesentliche Dimension, die zwischen dem interorganisationalen Lernen im engen Sinne eines „learning within networks“ und dem Netzwerklernen im Sinne eines „learning by networks“ unterscheidet.

Der dynamische Lernstrategiefit, also der Wechsel zwischen den genannten Lernstrategietypen, ist situativ bedingt, wofür wir Beispiele nennen. Grundlegend sind zwei Richtungen möglich: Der Wechsel von eher kompetitiven zu einem eher kooperativen Lernverhalten und umgekehrt. Ausgehend vom Idealbild, dass Kooperation in Netzwerken dominieren sollte, bezeichnen wir das erstgenannte als adduktiven und letztgenannten als abduktiven Lernstrategiewechsel.

JEL-Classification

D85, L14, M10

Nachweis

Dietrich von der Oelsnitz/Victor Tiberius (2009): Lernstrategien und Lernpfade in Unternehmensnetzwerken, in: Zeitschrift für Management, 4. Jg., Nr. 2, S. 153-172.

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