Victor Tiberius (Hrsg.): Zukunftsorientierung in der Betriebswirtschaftslehre

Inhalt

F26_Tiberius_2474-2-19.inddDie heutigen Märkte sind gemeinhin von weitaus höherer Komplexität, ausgeprägterer Dynamik und insbesondere mehr Diskontinuitäten geprägt, als dies noch vor wenigen Jahrzehnten der Fall war – ein aller Voraussicht nach irreversibler Trend, der zur Konsequenz hat, dass die Zukunft heute unsicherer denn je erscheint: Unternehmungen wissen nicht, was passieren wird, welche Auswirkungen dies auf den Markt und die Organisation selbst hat und wie sie angemessen handeln sollen. Gleichzeitig sind die Handlungsmöglichkeiten heute so stark technisch potenziert, dass ihre Neben‐ und Fernwirkungen weit in die Zukunft reichen können. Mit der Fähigkeit, das Leben künftiger Generationen zu beeinflussen, ist auch die Verantwortung, zukunftsorientiert und nachhaltig zu handeln, massiv gewachsen.

Wenn auf der einen Seite die Möglichkeiten der Zukunftsgestaltung zunehmen, auf der anderen Seite jedoch das hohe Ausmaß an Unsicherheit zu einer gewissen Hysterese führt – ohnmächtiger zu werden, die Entwicklung selbst zu beherrschen –, kann es zu einer Situation kommen, die Virilio als „rasenden Stillstand“ bezeichnet hat. Diesen gilt es freilich zu vermeiden. Unternehmungen können insofern von einer stärkeren Zukunftsorientierung profitieren.

Vor diesem Hintergrund ist die Ausgangsüberlegung für den vorliegenden Band die These: Die Betriebswirtschaftslehre setzt sich vergleichsweise wenig mit dem Konzept „Zukunft“ auseinander, obwohl es gerade eine zentrale Rolle einnehmen müsste. Denn die Ergebnisse und die Konsequenzen gegenwärtigen Wirtschaftens liegen zwangsläufig stets in der Zukunft. Dadurch, dass „Zukunft“ zwar in den Erkenntnisfragen des Fachs häufig implizit mitschwingt, aber eben nicht explizit in den Blick genommen wird, liegt ein überwiegend unreflektiertes und tendenziell naives Zukunftsverständnis vor, das dem komplexen Phänomen nicht hinreichend gerecht wird.

Das Anliegen dieses Buchs ist, innerhalb der Betriebswirtschaftslehre stärker für einen wissenschaftstheoretisch und methodologisch anspruchsvolleren Umgang mit „Zukunft“ und assoziierten Sachverhalten wie Unsicherheit, Offenheit und Mehrdeutigkeit zu sensibilisieren. Es soll aufgezeigt werden, wie die einzelnen Teilgebiete des Fachs mit „Zukunft“ konzeptionell umgehen, welche Impulse die Zukunftsforschung zur Erfassung des Phänomens „Zukunft“ liefern kann und welche Weiterentwicklungspotenziale für eine verbesserte Zukunftsorientierung und einen effektiveren sowie effizienteren Umgang mit „Zukunft“ bestehen. Aufgrund des geringen Erkenntnisstandes haben die hier und in den Folgebeiträgen gelieferten Fragen und Antworten naturgemäß eher explorativen Charakter.

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Inhaltsverzeichnis

Teil I Einleitung

Teil II Zukunftsorientierung in den speziellen Betriebswirtschaftslehren

  • Zukunftsforschung im Beschaffungsmanagement (Elisabeth Fröhlich)
  • Zukunftsorientierung in der betrieblichen Finanzwirtschaft (Ulrich Pape / Marina Steinbach)
  • Der Einfluss unsicherer Besteuerung auf Managemententscheidungen (Harald Jansen)
  • Megatrends als Treiber der Zukunftssicherung des Controllings (Péter Horváth / Johannes Isensee / Mischa Seiter)
  • Schnittstellen von Foresight und Innovationsmanagement (Kerstin Cuhls)
  • Zukunftsorientierung in der Logistik (Ingrid Göpfert / Wanja Wellbrock)
  • Zukunftsorientierung im Marketing (Manfred Bruhn / Manfred Kirchgeorg)
  • Organisation der Zukunft – Legitimität und Unsicherheit! (Dietrich von der Oelsnitz)
  • Zukunftsorientierung in der Personalwirtschaft? Eine partielle Ernüchterung! (Christian Scholz)
  • Zur Zukunftsorientierung im Public Sector (Jürgen Gornas)
  • Strategisches Management und die Offenheit der Zukunft (David Seidl / Felix Werle)

Teil III Ausblick

Flyer

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Nachweis

Victor Tiberius (Hrsg.) (2011): Zukunftsorientierung in der Betriebswirtschaftslehre, Wiesbaden (Gabler Verlag).

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Rezension 1

In der Zeitschrift „Der Betriebswirt“ (2/2011) ist eine Rezension zu dem Band erschienen. Ein Auszug aus der von Prof. Dr. Tristan Nguyen verfassen Besprechung:

„[…]Die einzelnen Fachbeiträge sind durchgehend klar, prägnant und verständlich formuliert. Schwierige und abstrakte Sachverhalte werden anhand von entsprechenden Schaubildern und anschaulichen Praxisbeispielen erläutert. Insgesamt ist der Sammelband eine sehr gut gelungene Darstellung eines gesellschaftlich hoch brisanten Themas und deshalb uneingeschränkt empfehlenswert. Es ist ein großer Verdienst des Herausgebers, mit diesem Sammelband den zukunftsorientierten Forschungsansatz stärker in den Fokus der betriebswirtschaftlichen Forschung zu rücken. Es ist jedoch erst der Anfang, wie man aus den einzelnen Abhandlungen unschwer erkennen kann, wie weit die Zukunftsorientierung in der Betriebswirtschaftslehre von einem interdisziplinären und multidisziplinären Forschungsansatz entfernt ist. Für die Zukunft bleibt zu hoffen, dass der Sammelband von Victor Tiberius weitere Forschungsbemühungen in dieser Richtung auslösen wird. In diesem Sinne wünsche ich dem Buch die gebührende Aufmerksamkeit in der Fachwelt und demLeser eine anregende und fruchtbare Lektüre. […]“

 

Rezension 2

Unter http://www.socialnet.de/rezensionen/12310.php hat Prof. Dr. Rüdiger Falk eine weitere Rezension veröffentlicht:

„[…] Aller Skepsis des Rezensenten zum Trotz, die vor allen aus dem umfassenden Anspruch des Herausgebers gespeist wurde, handelt es sich um eine lohnende Publikation. […] Ein Verdienst des Herausgebers und der vielen renommierten Autoren ist darin zu sehen, dass sie die Betriebswirtschaft als Erkenntnisobjekt einer wissenschaftstheoretischen Betrachtung unterziehen. Damit grenzt sich diese Publikation von jenen zahlreichen rezeptologischen Handreichungen deutlich ab, die in der Folge der pragmatischen Managementlehren unbewiesene Allgemeinplätze als wissenschaftliche Weisheiten verkünden. […]“

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