Prof. Dr. Rudi K. F. Bresser und Dr. Reynaldo Valle Thiele vom Strategielehrstuhl an der FU Berlin beschäftigen sich in ihrem Beitrag „Ehemalige Vorstandsvorsitzende als Aufsichtsratschefs: Evidenz zu ihrer Effektivität im Falle des erzwungenen Führungswechsels“ mit dem Wechsel des Vorstandsvorsitzenden in die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden. Wirtschaftsjournalisten kritisieren dieses Vorgehen häufig. Die Autoren untersuchen anhand der Principal-Agent-Theorie und der Stewardship-Theorie sowie auf der Grundlage einer Stichprobe von 214 Führungswechseln den Einfluss der Vorsitzkontinuität auf  erzwungene Führungswechsel. Die Ergebnisse stützen die Stewardship-Theorie: Die Vorsitzkontinuität wirkt sich im Falle einer inferioren Erfolgslage positiv auf die Wahrscheinlichkeit der Entlassung des amtierenden Vorstandsvorsitzenden aus. Allerdings verbessert sich die Erfolgslage von Unternehmen im Anschluss an eine Entlassung auch bei gegebener Vorsitzkontinuität nicht signifikant. Die Ergebnisse legen nahe, dass die Corporate-Governance-Forschung durch eine Integration der Agency-Theorie mit alternativen Ansätzen bereichert werden kann und die geäußerte pauschale Kritik an der Vorsitzkontinuität nicht gerechtfertigt ist.

Der Beitrag ist in der ZfB, 78. Jg., Nr. 2, erschienen.