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Praxis|6. Januar 2026

Karriere durch Job Crafting

Viele Karriereschritte scheitern nicht am Talent, sondern an der Passung zwischen Rolle und Person. Die spannende Frage lautet deshalb: Können Beschäftigte ihre Arbeit so gestalten, dass sie mehr Energie, Lernchancen und Zufriedenheit gewinnen und dabei weniger ausbrennen? Eine empirische Studie aus der Arbeits- und Gesundheitspsychologie gibt darauf eine klare, praxisnahe Antwort.

Was ist Job Crafting?

Job Crafting beschreibt selbst initiierte Veränderungen der eigenen Arbeit. In dieser Studie wurde es als vier konkrete Verhaltensbündel gemessen:

  • Strukturelle Ressourcen erhöhen (zum Beispiel aktiv Neues lernen),
  • Soziale Ressourcen erhöhen (zum Beispiel Kolleginnen und Kollegen um Rat bitten),
  • Herausfordernde Anforderungen erhöhen (zum Beispiel neue Projekte starten, wenn Kapazität da ist),
  • Hinderliche Anforderungen reduzieren (zum Beispiel Arbeit so organisieren, dass Belastungsspitzen abgemildert werden).

Wie wurde vorgegangen?

Untersucht wurde in einem Chemiewerk in den Niederlanden mit einem 3-Wellen-Design (jeweils ein Monat Abstand). Zu Beginn (T1) wurden Anforderungen, Ressourcen sowie Engagement, Jobzufriedenheit und Burnout erhoben. Einen Monat später (T2) wurde erfasst, wie stark die Beschäftigten im vergangenen Monat Job Crafting betrieben hatten. Danach (T3) wurden die Ausgangsvariablen erneut gemessen. Auswertbar über alle drei Wellen hinweg waren 288 Personen.

Was kam heraus?

Die Kernergebnisse lassen sich in drei Sätzen bündeln:

  • Wer Ressourcen craftet, erhöht messbar seine strukturellen und sozialen Ressourcen, und diese Zunahme hängt mit mehr Engagement und Jobzufriedenheit sowie weniger Burnout zusammen.
  • Das Crafting von herausfordernden Anforderungen erhöhte die gemessenen Anforderungen nicht verlässlich, zeigte aber direkte positive Effekte auf das Wohlbefinden (mehr Engagement, weniger Burnout).
  • Das Crafting zur Reduktion hinderlicher Anforderungen zeigte in diesem Setting keinen klaren Zusammenhang mit sinkenden Anforderungen oder steigendem Wohlbefinden.

Fazit für die Praxis

Wenn Sie Job Crafting als Karrieretool nutzen wollen, ist die wirksamste Reihenfolge nicht „weniger Stress“, sondern „mehr Ressourcen und passende Herausforderungen“:

  • Starten Sie mit Ressourcen, nicht mit Problemen: Wählen Sie eine strukturelle Ressource (Autonomie, Abwechslung, Lerngelegenheiten) und eine soziale Ressource (Feedback, Coaching, Unterstützung), die Sie in den nächsten 14 Tagen gezielt erhöhen.
  • Formulieren Sie 2 Mikro-Experimente statt großer Vorsätze: Beispiele: „1 Lernslot pro Woche“ (strukturell) plus „1 gezielte Ratfrage“ (sozial). Genau solche Verhaltensweisen bilden die Skalenitems ab.
  • Fügen Sie eine Herausforderung hinzu, die sichtbar macht, wofür Sie stehen: Eine kleine, gut abgrenzbare Zusatzaufgabe, die Kompetenz signalisiert und Lernrendite hat, passt zum Befund zu „challenging demands“.
  • Messen Sie Wirkung über Energie und Output: Wöchentlich kurz prüfen: Energie (Engagement), Zufriedenheit, Erschöpfung. Genau diese Outcomes wurden in der Studie betrachtet.
  • Wenn Sie Führungskraft sind: Job Crafting steuern, nicht dem Zufall überlassen: Die Autorinnen und Autoren leiten ab, dass Führung Job-Crafting-Verhalten so rahmen sollte, dass es zu persönlichen und organisationalen Zielen passt, und dass mehr Autonomie Job Crafting erleichtern kann.

Der Beitrag erschien im Journal of Occupational Health Psychology, das bei Scopus als Q1-Journal geführt wird.

Quelle:
Tims, M., Bakker, A. B., & Derks, D. (2013). The impact of job crafting on job demands, job resources, and well-being. Journal of Occupational Health Psychology, 18(2), 230–240. doi:10.1037/a0032141.