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Wissenschaft|18. September 2026

Soziale Netzwerkanalyse in der Entrepreneurship-Forschung

Neu erschienen in der Review of Managerial Science: unser systematischer Überblick darüber, wie die soziale Netzwerkanalyse (SNA) in der Entrepreneurship-Forschung methodisch eingesetzt wird.

Ausgewertet haben wir 53 Artikel aus Q1- und Q2-Journals der Jahre 2005 bis 2025, geordnet nach vier Dimensionen: Studienprofil, Netzwerkkonfiguration, Datenerhebung und -aufbereitung sowie Datenanalyse.

Zentraler Befund ist ein Auseinanderfallen von Theorie und Methode. Theoretisch werden unternehmerische Netzwerke als dynamisch und relational vielschichtig beschrieben, untersucht werden sie überwiegend im Querschnitt und rein strukturell. Fast die Hälfte der Studien stützt sich auf eine einzige Datenquelle, Längsschnittdesigns bleiben selten, und die Analyse beschränkt sich meist auf Dichte und Degree-Zentralität. 21 Studien nennen nicht einmal die verwendete Software.

Daraus leiten wir Empfehlungen zur Datenerhebung, zur Auswahl der Netzwerkmaße und zum Softwareeinsatz ab, die an den identifizierten Lücken ansetzen statt allgemeine Standards zu wiederholen.

Ein herzliches Dankeschön an Hanna Frei und Dominik K. Kanbach!

Zusammenfassung:

Die soziale Netzwerkanalyse (SNA) bietet ein analytisches Instrumentarium zur Untersuchung der relationalen Strukturen, die unternehmerische Prozesse prägen. In der Entrepreneurship-Forschung wird sie jedoch vergleichsweise selten genutzt, und dort, wo sie zum Einsatz kommt, entsprechen die methodischen Entscheidungen nicht immer den Anforderungen, die sich aus den theoretischen Grundlagen des Feldes selbst ergeben. Um diese Defizite zu adressieren, untersucht der Beitrag systematisch, wie die SNA in der Entrepreneurship-Forschung methodisch angewendet wurde und inwieweit die gegenwärtige Praxis den Anforderungen von struktureller Einbettung, Sozialkapital und prozessualen Perspektiven auf unternehmerisches Netzwerken gerecht wird. Die Literaturübersicht basiert auf 53 Artikeln, die zwischen 2005 und 2025 in Zeitschriften der ersten beiden Quartile (Q1 und Q2) der Journal Citation Reports erschienen und in der Web of Science Core Collection indexiert sind. Die Befunde werden entlang von vier Dimensionen geordnet: Studienüberblick, Netzwerkkonfigurationen, Datenerhebung und -aufbereitung sowie Datenanalyse. Es zeigt sich, dass das Feld in hohem Maße auf Querschnittsdesigns, einzelne Datenquellen und ein schmales Set konventioneller Maße zurückgreift, vor allem auf Dichte und Degree-Zentralität. Daraus ergibt sich eine systematische Diskrepanz zwischen dem dynamischen, relational komplexen Charakter unternehmerischer Netzwerke, wie ihn die Theorie beschreibt, und den statischen, strukturell ausgerichteten Methoden ihrer Untersuchung. Nahezu die Hälfte der untersuchten Studien stützte sich auf nur eine Datenquelle, was die Erfassung jener relationalen Tiefe einschränkt, die die Sozialkapitaltheorie betont. Längsschnittdesigns, die für die Prüfung prozessualer Erklärungen der Netzwerkentwicklung unerlässlich sind, bleiben selten. Auf Grundlage dieser Befunde entwickelt der Beitrag einen methodisch fundierten Rahmen mit Empfehlungen zur Datenerhebung, zur Auswahl von Netzwerkmaßen und zum Softwareeinsatz, die an den in der Übersicht identifizierten Lücken ansetzen.

 

Quelle:

Frei, H., Tiberius, V. & Kanbach, D. K. (2026). Social network analysis in entrepreneurship research: A systematic review of methodological practices and an agenda for theory-method alignment. Review of Managerial Science, in press. doi:10.1007/s11846-026-01054-5