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Wissenschaft|24. Februar 2026

Weibliches Unternehmertum und Nähe zu Gründungs-Infrastruktur

Zusammenfassung:

Das Paper zielt darauf ab, räumliche Evidenz dafür zu liefern, wo ortsbezogene Unterstützung für weibliches Unternehmertum priorisiert werden sollte, indem die Geografie von Gründerinnen mit der räumlichen Nähe formeller Unterstützungsinfrastruktur in Deutschland verknüpft wird. Zur Erreichung dieses Ziels stellen wir bundesweite Venture-Mikrodaten zu Gründungskohorten der Jahre 2015 bis 2021 sowie geokodierte Standorte der Unterstützungsinfrastruktur zusammen. Mithilfe GIS-basierter (Geographic Information System) räumlicher Analysen, insbesondere Kernel-Dichte-Schätzungen sowie Hot-/Cold-Spot-Kartierungen und bivariater Korrelationen, quantifizieren wir Zusammenhänge zwischen Nähe und Unternehmertum und identifizieren politikrelevante Hot- und Cold-Spots. Unsere Ergebnisse zeigen Cluster weiblichen Unternehmertums in großen urbanen Korridoren. Die Nähe zur Unterstützungsinfrastruktur ist positiv mit der Präsenz von Gründerinnen assoziiert. Bei 10-km-Puffern erreichen die Korrelationen r = 0,26 für Frauen und r = 0,31 für Männer. Bei 20 km schwächen sich die Effekte ab (r = 0,15 bzw. r = 0,14). Wir kartieren umsetzungsrelevante Cold-Spots, das heißt Orte mit dünner Infrastruktur und geringer Präsenz von Gründerinnen, neben leistungsstarken Hot-Spots. Als praktische Implikation schlagen wir eine räumliche Targeting-Logik vor: Ressourcen sollten in identifizierten Cold-Spots gebündelt werden, etwa über frauenfokussierte Hubs, mobile Beratung und eine verbesserte Erreichbarkeit auf der letzten Meile. Der Fortschritt sollte anhand eines kompakten KPI-Sets überwacht werden. Zielgerichtete räumliche Unterstützung kann die Geschlechtergerechtigkeit im Unternehmertum voranbringen und zugleich regionale Kohäsion sowie effiziente öffentliche Ausgaben stärken.

Referenz:

Tieze, J., & Tiberius, V. (2026). Female Entrepreneurship and Proximity to Support Infrastructure in Germany: A Geospatial Analysis. Economies, 14(3), 70. doi:10.3390/economies14030070