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Wissenschaft|11. April 2026

Online Abuse im Metaverse

Unsere neue Studie in Neural Computing and Applications untersucht, welche Faktoren Online-Missbrauch im Metaverse fördern. Auf Grundlage von Daten von 1.313 malaysischen VR-Nutzenden und mithilfe von PLS-SEM sowie fsQCA zeigen wir, dass psychologische Faktoren wie Online-Enthemmung, Einsamkeit und soziale Präsenz zusammen mit technischen Faktoren wie Immersion und 3D-Design missbräuchliches Verhalten über das Risiko biometrischer Daten beeinflussen.

Im Vergleich zu unserer früheren Studie im IJHCI, die stärker soziale Bindungen, Homophilie sowie allgemeine Datenschutz- und Sicherheitsrisiken in den Blick nahm, richtet diese Arbeit die Aufmerksamkeit auf psychologische Zustände und die spezifische Rolle biometrischer Datenrisiken. Alle direkten und indirekten Effekte waren signifikant. Einsamkeit und soziale Präsenz zeigten die stärksten indirekten Effekte auf Missbrauch.

Ein zentrales Ergebnis ist, dass geringe Online-Enthemmung in jeder Konfiguration vorkommt, die mit weniger Missbrauch verbunden ist. Auch Immersion erweist sich durchgängig als Schutzfaktor. Für Plattformen ist die Schlussfolgerung klar: enthemmtes Verhalten reduzieren, den Schutz biometrischer Daten stärken und in immersive, gut gestaltete Umgebungen investieren.

 

Abstract:

Das Metaverse hat die Computerlandschaft revolutioniert, zahlreiche Lebensbereiche verändert und verschiedenen Branchen neue, attraktive Facetten verliehen. Seine dunklen Seiten werden jedoch meist übersehen. Diese Studie greift ein zentrales Problem auf, nämlich die Verbreitung abweichenden Verhaltens in der virtuellen Welt. Unsere Forschung untersucht die Rolle technischer Faktoren wie Immersion und 3D-Design sowie sozialer Faktoren wie Online-Enthemmung, Einsamkeit, soziale Präsenz und Authentizität für Online-Missbrauch im Metaverse. Das zugrunde gelegte konzeptionelle Modell analysiert zudem die Datenschutzfolgen abweichenden Verhaltens.

Um Wissenschaft und Praxis Einblicke in die Schattenseiten des Metaverse zu geben, haben wir die Partial-Least-Squares-Strukturgleichungsmodellierung (PLS-SEM) eingesetzt, um kausale Zusammenhänge zu erfassen, und die Fuzzy-Set Qualitative Comparative Analysis (fsQCA), um Konfigurationen von Online-Missbrauch zu identifizieren. Die Ergebnisse der linearen Zusammenhänge zeigen, dass soziale und technische Faktoren den Online-Missbrauch im Metaverse stark beeinflussen, wobei die Risiken biometrischer Nutzerdaten die Beziehung zwischen technischen und sozialen Faktoren und dem Nutzerverhalten vermitteln.

Die fsQCA-Ergebnisse identifizierten fünf Lösungswege zur Verringerung von Online-Missbrauch im Metaverse. Im Mittelpunkt steht dabei vor allem die Rolle technischer Aspekte bei der Gestaltung sicherer und benutzerfreundlicher Plattformen, ergänzt durch soziale Unterstützung und ein Gefühl sozialer Präsenz für Nutzende in der virtuellen Welt. Die vorliegende Studie hat weitreichende Implikationen für Praktiker und Entwickler, die immersive und benutzerfreundliche Erfahrungen in virtuellen Welten schaffen wollen. Wir empfehlen, Algorithmen zu entwickeln, die beleidigende Sprache unterbinden und böswillige Nutzende blockieren. Die Besonderheit dieser Studie liegt darin, dass sie die Beziehung zwischen der soziotechnischen Perspektive und den Schattenseiten des Metaverse sowohl mit symmetrischen als auch mit asymmetrischen Analyseverfahren untersucht.

 

Quelle:

Alnoor, A., Alazzawi, M. S., Tiberius, V., Chew, X., Abbas, S., Dahleez, K., & Al-Sinawi, S. (2026). The dark side of metaverse: a study of the determinants of abusive behaviour in metaverse using PLS-SEM and fuzzy set qualitative Analysis. Neural Computing and Applications, 38, 266. doi:10.1007/s00521-025-11794-2